Anerkennungskultur in der Organisation

Modul 6 zur „Freiwilligenkoordination BFE

Frage(n) vorweg:Wie kann Freiwilligen Anerkennung entgegengebracht werden?

Teilnehmende des Jour Fixe

Worum es geht

Aner­ken­nung ist eine der Grund­la­gen unse­res Zusam­men­le­bens und im bür­ger­schaft­li­chen Enga­ge­ment von beson­de­rer Bedeu­tung. Frei­wil­li­ge erhal­ten kei­nen mone­tä­ren Lohn für ihre Arbeit. Sie set­zen sich aus eige­ner Über­zeu­gung und Moti­va­ti­on für ande­re Men­schen ein. Dies ver­langt und ver­dient eine beson­de­re Aner­ken­nung und Wert­schät­zung.

Aus der Theorie des Freiwilligenmanagements

Aner­ken­nung ist eines der Haupt­zie­le, die uns Men­schen zur Tätig­keit moti­vie­ren.
Eine zen­tra­le Rol­le bei der Aner­ken­nung frei­wil­li­gen Enga­ge­ments spielt das Schaf­fen guter Rah­men­be­din­gun­gen. Aber auch mate­ri­el­le Aner­ken­nung, Kennt­nis­ver­mitt­lung, die För­de­rung von Gemein­schaft und wei­te­re Aspek­te sol­len im Fol­gen­den vor­ge­stellt wer­den.

1. Schaf­fen guter Rah­men­be­din­gun­gen

A) Will­kom­mens­kul­tur schaf­fen
Infor­ma­tio­nen über Enga­ge­ment­mög­lich­kei­ten und die Orga­ni­sa­ti­on, Infor­ma­tio­nen zur Ori­en­tie­rung in der Orga­ni­sa­ti­on, Wis­sens­hier­ar­chi­en abbau­en

B) Anspra­che von Frei­wil­li­gen durch Freiwilligenmanager_in
Ziel­grup­pen­spe­zi­fi­sche Anspra­che, Info-Ver­an­stal­tun­gen, Erst­ge­spräch, Ein­füh­rungs-Work­shop

C) Auf­ga­ben-Pro­fil
Inhalt­lich defi­niert und zeit­lich abgrenz­bar, Trans­pa­renz und kla­re Zustän­dig­kei­ten, Fle­xi­bi­li­tät und Ver­bind­lich­keit, Lern­vor­ga­ben und -Optio­nen

D) Anlei­tung und Ein­füh­rung
The­men Ein­füh­rungs­kur­se, Selbst­re­fle­xi­on, Klau­sur, Fachkurse/Weiterbildungen

E) Schnup­per­pha­se
Hos­pi­ta­ti­on, Ken­nen­ler­nen ver­schie­de­ner Berei­che

F) Beglei­tung durch Freiwilligenmanager_in
Ent­wick­lungs­ge­spräch, Erfah­rungs­aus­tausch, Feed­back-Run­den

G) Beglei­tung durch Erfah­re­ne
Mentor_innen, Bud­dy-Team, Kom­pe­tenz­team

H) Par­ti­zi­pa­ti­on ermög­li­chen
Inhalt­li­che Betei­li­gungs- und Mit­spra­che­mög­lich­kei­ten, Inklu­si­on

2. Mate­ri­el­le Aner­ken­nung und Sach­zu­wen­dun­gen
Aus­la­gen­er­satz, Aus­la­gen­pau­scha­le, Ehren­amts­pau­scha­le, Übungs­lei­ter­pau­scha­le, Ver­pfle­gung, Frei­kar­ten, Gut­schei­ne, Räu­me, Mate­ri­al, Klei­dung, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel

3. Kennt­nis­ver­mit­teln­de Aner­ken­nung
Kos­ten­über­nah­me für Fort­bil­dun­gen, Orga­ni­sa­ti­on von Fort­bil­dun­gen und Semi­na­ren, Nut­zung von Ange­bo­ten zur Wei­ter­bil­dung bei Mit­glieds­ver­bän­den, Aus­bil­dungs­gang, Men­to­ring, Coa­ching

4. Beruf­li­che Ent­wick­lungs­un­ter­stüt­zung
Zer­ti­fi­ka­te, Teil­nah­me­be­schei­ni­gun­gen, Emp­feh­lun­gen, Arbeits­zeug­nis­se

5. Gemein­schafts­för­dern­de Aner­ken­nung
Betriebs­aus­flug, Mit­glieds­aus­weis, Gemein­sa­me Fes­te

6. Öffent­lich­keits­ar­beit und Aus­zeich­nen­de Aner­ken­nung
Por­traits, Events, Ver­an­stal­tun­gen, Emp­fang und Dan­ke­schön-Ver­an­stal­tun­gen. Orga­ni­sa­ti­ons­in­ter­ne sym­bo­li­sche Aner­ken­nung, exter­ne sym­bo­li­sche Aner­ken­nung: Ehren­amts­preis Ber­lin, Men­dels­sohn-Preis für bür­ger­schaft­li­ches Enga­ge­ment / Franz-von-Men­dels­sohn-Medail­le

Was heißt das für die Praxis der Ehrenamtskoordinator_innen in Berliner Unterkünften für Geflüchtete?

Im zeit­lich begrenz­ten Arbeits­all­tag vie­ler Ehrenamtskoordinator_innen kann es ein guter ers­ter Schritt sein, sich ein kon­kre­tes Aner­ken­nungs­pro­jekt vor­zu­neh­men und die Begeg­nung zwi­schen Frei­wil­li­gen und Ein­rich­tung für die­ses Pro­jekt zu pla­nen (Bei­spiel: Orga­ni­sa­ti­on regel­mä­ßi­ger Feed­back­ge­sprä­che, die geziel­te Ver­ga­be von Frei­kar­ten zu kul­tu­rel­len Ver­an­stal­tun­gen, etc.)

Im Rah­men der Wei­ter­bil­dung und Ver­net­zung im Bera­tungs­fo­rum Enga­ge­ment wur­den Ehrenamtskoordinator_innen gefragt Wofür sie selbst arbei­ten. Wenn es um die Aner­ken­nung der Arbeit ande­rer geht, hilft es auch die eige­ne Moti­va­ti­on zu betrach­ten. Die fol­gen­den Ant­wor­ten stam­men aus der Dis­kus­si­on der Ehrenamtskoordinator_innen:

  • Um uns ein­zu­brin­gen
  • Um Spaß und Freu­de zu haben (und zu geben)
  • Für die eige­ne Erfül­lung
  • Für Geld: Exis­tenz, gesell­schaft­li­che Teil­ha­be, Selbst­ver­wirk­li­chung
  • Für die eige­ne Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung
  • Für eine span­nen­de Auf­ga­be, für eine sinn­vol­le Auf­ga­be
  • Für die „Gute Sache“
  • Das Pri­va­te ist poli­tisch“
  • Um Vor­bild zu sein
  • Iden­ti­fi­ka­ti­on spielt bei der Arbeit mit Geflüch­te­ten eine gro­ße Rol­le
  • Um selbst fit (kör­per­lich, geis­tig und sozi­al) zu blei­ben
  • Um dem Tag (und dem Leben) Struk­tur zu geben
  • Für Aner­ken­nung (vom Chef/von der Che­fin, von Kol­le­gen, von Ehren­amt­li­chen und Geflüch­te­ten)
  • Um etwas auf­zu­bau­en und zu gestal­ten
  • Um eine ande­re Per­spek­ti­ve auf das Leben ken­nen­zu­ler­nen
  • Um Gren­zen zu erle­ben und zu erwei­tern, um den Hori­zont zu erwei­tern
  • Aus Pflicht­ge­fühl und Arbeits­ethos
  • Um Team­ar­beit zu gestal­ten und zu genie­ßen
  • Um mit Men­schen Umgang zu haben, um sich aus­zu­tau­schen
  • Um gesell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung wahr­zu­neh­men

In Anleh­nung an die Erkennt­nis, dass Aner­ken­nung in ers­ter Linie durch das Schaf­fen eines geeig­ne­ten Arbeits- und Enga­ge­ment­um­fel­des aus­ge­drückt wird, dis­ku­tier­ten die Ehrenamtskoordinator_innen auch die Qua­li­täts­emp­feh­lun­gen für die Ehren­amts­ko­or­di­na­ti­on aus dem zwei­ten Enga­ge­ment­be­richt des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend:

  • Leit­bild: „Die Orga­ni­sa­ti­on hat ein kom­mu­ni­zier­ba­res Leit­bild. Es ent­hält Aus­sa­gen zur Bedeu­tung der Frei­wil­li­gen­ar­beit in der Orga­ni­sa­ti­on.“
  • Stel­len­be­schrei­bung: „Eine Auf­ga­ben­be­schrei­bung ent­hält Aus­sa­gen zur Ziel­grup­pe, zu Anfor­de­run­gen an die Frei­wil­li­gen, zu Tätig­keits­be­rei­chen, zu Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten und zu mög­li­chen Ein­schrän­kun­gen.“
  • Diver­si­tät: „Die Orga­ni­sa­ti­on berück­sich­tigt Merk­ma­le der Viel­falt von Her­kunft, Reli­gi­on, Geschlecht, Alter, Behin­de­rung und sexu­el­ler Ori­en­tie­rung bei der Anspra­che von Frei­wil­li­gen. Sie ist grund­sätz­lich offen für unter­schied­li­che Grup­pen.“
  • Zie­le: „Die Öffent­lich­keits­ar­beit der Orga­ni­sa­ti­on basiert auf for­mu­lier­ten Zie­len und die Ziel­grup­pen sind defi­niert.“
  • Erwar­tun­gen: „Die Orga­ni­sa­ti­on hat einen Pro­zess zur Auf­nah­me von Frei­wil­li­gen defi­niert. Die­ser soll­te klä­ren, wel­che gegen­sei­ti­gen Erwar­tun­gen bestehen und wie die Bedin­gun­gen der Zusam­men­ar­beit gestal­tet sind.“
  • Beglei­tung: „Die Orga­ni­sa­ti­on bie­tet den Frei­wil­li­gen eine kon­ti­nu­ier­li­che per­sön­li­che Beglei­tung an. Hier­zu gibt es eine fes­te Ansprech­per­son.
  • Qua­li­fi­zie­rung: „Die Orga­ni­sa­ti­on trägt Sor­ge, dass alle Frei­wil­li­gen die not­wen­di­ge fach­li­che Beglei­tung erhal­ten. Dazu steht fach­lich qua­li­fi­zier­tes Per­so­nal zur Ver­fü­gung. Die Orga­ni­sa­ti­on bie­tet Qua­li­fi­zie­rungs­mög­lich­kei­ten für Frei­wil­li­ge an. Die­se sind auf den kon­kre­ten Bedarf abge­stimmt.“
  • Mit­be­stim­mung und Mit­ge­stal­tung: „Die Orga­ni­sa­ti­on betei­ligt die Frei­wil­li­gen ange­mes­sen an rele­van­ten Ent­schei­dungs­pro­zes­sen. Dafür bie­tet sie abge­stuf­te For­men der Mit­ge­stal­tung an.“

BERATUNGSFORUM ENGAGEMENT FÜR GEFLÜCHTETE
„Frei­wil­li­gen­ko­or­di­na­ti­on BFE | „Frei­wil­li­gen­ko­or­di­na­ti­on BFE“ – Modul 6
aktua­li­siert: 07.03.2018