Resilienz im Haupt- und Ehrenamt

Modul 7 zur „Freiwilligenkoordination BFE“

Frage(n) vorweg: Warum können manche Menschen mit belastenden Situationen besser umgehen als andere?

Flipchart Resilienz

Worum es geht

Die Arbeit und das Engagement im Bereich der Flüchtlingshilfe/Flüchtlingsunterkünfte kann psychisch sehr belastend sein. Dies gilt nicht nur für Ehrenamtskoordinator_innen, sondern auch für Freiwillige. Haupt- und Ehrenamtliche treffen in den Unterkünften auf traumatisierte Menschen, hören dramatische Fluchtberichte oder erleben Hilflosigkeit z.B. gegenüber Behörden. Um sich demgegenüber zu wappnen, sollten Ehrenamtskoordinator_innen mit den Themen Resilienz/Widerstandfähigkeit vertraut sein und hilfreiche Ideen zur Bewältigung kennen.

Aus der Theorie des Freiwilligenmanagements

Was ist Resilienz?

Unter Resilienz ist die Widerstandsfähigkeit einer Person zu verstehen, ihre Fähigkeit zur Belastbarkeit und inneren Stärke. Menschen, die über ein hohes Maß an Resilienz verfügen, sind Krisen gegenüber widerstandfähiger. Sie greifen in kritischen Situationen auf persönliche Ressourcen zurück und verstehen diese als Möglichkeit zur Weiterentwicklung. Die Erziehung und die Erfahrungen aus den ersten drei Lebensjahrzehnten sind ausschlaggebend für die Resilienzförderung. Allerdings ist es möglich, die eigene Widerstandskraft weiterzuentwickeln und zu trainieren.

Was ist Salutogenese?

Die Salutogenese nach Antonovsky stellt die Frage, wie Gesundheit gefördert und erhalten werden kann. Sie kann als Gegenbegriff zur Pathogenese, der Suche nach den Ursachen und Symptomen von Krankheit, angesehen werden. Nach dem Salutogenese-Modell ist Gesundheit nicht als Zustand, sondern als Prozess zu verstehen. Risiko- und Schutzfaktoren stehen hierbei in einer Wechselwirkung.

Kohärenzmodell:

Eng verknüpft mit der Salutogenese ist das Kohärenzmodel nach Antonovsky. Es beschreibt ein Zugehörigkeitsgefühl und eine innere Zufriedenheit mit sich selbst und anderen, sozusagen ein Gefühl des Vertrauens in das Leben. Dabei spielen die drei Aspekte Verstehbarkeit, Bewältigbarkeit und Sinnhaftigkeit eine Rolle. Das heißt, wenn ich eine Situation verstehe, sie bewältigen kann und auch einen Sinn darin erkenne, entsteht Kohärenz und Spannungen werden gelöst. Ist dies nicht der Fall, wird Stress ausgelöst. Dabei ist es individuell unterschiedlich, welcher Faktor stresst und ab wann er stresst.

Was heißt das für die Praxis der Ehrenamtskoordinator_innen in Berliner Unterkünften für Geflüchtete?

Was hilft, um in belastenden Situationen gesund und arbeitsfähig bzw. engagementfähig zu bleiben?

  • Für Ehrenamtskoordinator_innen und Freiwillige ist es wichtig, den Blick zu richten auf:
  • persönliche Ressourcen: Was bringe ich mit? Was hat mir früher schon geholfen?
    Was tut mir gut?
  • strukturelle Ressourcen: Habe ich ein eigenes Büro? Gute Bezahlung? Diensthandy? Supervision? Material für meine Angebote? Kostenerstattung? Fahrkarten? Anerkennung?
  • soziale Ressourcen: Team, gute Vorgesetzte, Familie, Freunde als Ausgleich, Gleichgesinnte/andere Freiwillige
  • Austausch: im Team (Intervision), mit anderen Ehrenamtskoordinator_innen, mit anderen Freiwilligen; hier kann ich mir Feedback und Hilfestellung holen, erfahre Kooperation und Unterstützung, kann Selbst- und Fremdwahrnehmung überprüfen, beim Zusammenfassen meiner Anliegen o. Probleme gewinne ich Distanz und kann „von außen draufschauen“
  • Fachberatung: Supervision (Einzel- oder Gruppengespräch), in einem geschützten Rahmen erfahre ich Stärkung und kann Positives an meiner Tätigkeit herausarbeiten, erfahre andere Möglichkeiten
  • Ausgleich finden: Sport, Entspannung, Reisen, Meditation, Couch, Yoga, etc., alles was mir gut tut

Fragen aus der Praxis der Ehrenamtskoordinator_innen in Berliner Unterkünften für Geflüchtete?

Oft werden Supervisionsangebote von Freiwilligen nicht genutzt, weil sie Berührungsängste haben. Was kann ich tun, damit diese Angebote genutzt werden?

Meist verbirgt sich hinter der Ablehnung Unwissenheit, was Supervision eigentlich ist und die Angst, als „verrückt“ oder „psychisch labil“ abgestempelt zu werden. Eine Lösung kann sein, den Freiwilligen genau zu erklären, dass es sich um eine Beratungsform handelt, die bei der Reflexion des ehrenamtlichen Tuns unterstützt und z.B. bei der Klärung von Konflikten und Belastungen begleitet. Bei der Supervision muss sich niemand „auf die Couch legen“. Vielleicht hilft es auch, dem ganzen einen anderen Namen zu geben, z.B. „JuliaVision“ in Anlehnung an den Vornamen der Supervisorin.

BERATUNGSFORUM ENGAGEMENT FÜR GEFLÜCHTETE
„Freiwilligenkoordination BFE“ | „Freiwilligenkoordination BFE“ – Modul 7
aktualisiert: 07.03.2018