BFE Werkstatt 2 (2018): Partizipation und Empowerment geflüchteter Menschen in den Unterkünften

Dokumentation des Workshops mit Adam Baher, glokal e.V.

Erste Werkstatt des BFE 2018

Zusammenfassung: Worum es geht

Die Beteiligung von Bewohner_innen der Unterkünfte an Entscheidungen, die die Gestaltung ihres Wohnumfeldes, bzw. der (ehrenamtlich) organisierten Angebote und Aktivitäten in und um die Unterkunft herum, ist häufig schwieriger, als es bei der Erstellung von Konzepten und Leitlinien oft klingt. Die BFE Werkstatt im Mai 2018 befasste sich daher mit der Frage, welche Hürden der Partizipation Ehrenamtskoordinator*innen im Alltag begegnen und welche Ansätze es gibt, um diese Hürden zu überwinden.

Aus der Theorie: Grundsätzliches zu Partizipation und zur Partizipation von geflüchteten Menschen

Das Forschungs- und Projektberatungs-Institut Minor Kontor bezeichnet Partizipation als „interaktive[n] Vorgang – also das aktive Gestalten der Gesellschaft (Teilhaben und Teilnehmen).“

Partizipation ist dabei auch mit den Konzepten einer gelebten demokratischen Kultur sowie der Maxime der Selbstbestimmung verknüpft.

„Es geht um die aktive Gestaltung von Willensbildungs- und
Entscheidungsprozessen aber auch um die individuelle und kollektive

– Handlungsfähigkeit

– Selbstständigkeit

– Macht/Möglichkeit das eigene Leben in allen Bereichen aktiv zu gestalten“

Aus der Praxis: Was erschwert /verhindert oft Partizipation?

Ausgangssituation: Partizipation von geflüchteten Menschen in den Unterkünften
Aus der Erfahrung von Adam Baher, der beim Verein glokal e.V. das Projekt OPAT – Ohne Paternalismus koordiniert, wird von Unterstützer*innen sehr vieles für, aber sehr wenig gemeinsam mit Geflüchteten getan. Gleichzeitig bestehe seitens der Unterstützer*innen häufig die Erwartungen von Dankbarkeit. Dies stellt ein großes Problem für den Aufbau partizipativer Strukturen dar, da geflüchtete Menschen so häufig nur in ihrer passiven Rolle als Opfer gesehen werden.

Im deutschen Asyl- und Unterbringungssystem wird geflüchteten Menschen in der Regel die Rolle der passiven „Klient_innen“, „Bewohner_innen“, Nutzer_innen, etc. zugewiesen. Dabei können und möchten sich geflüchtete Menschen viel häufiger auch selbst helfen. Wenn Unterstützer*innen (ob als Freiwillige oder als Angestellte einer Einrichtung oder Organisation), die Partizipation von geflüchteten Menschen in den Unterkünften fördern möchten, ist es zunächst sinnvoll, sich einige Fragen zu stellen.

Dazu zählt zunächst die Frage, welche Erwartungen an geflüchtete Menschen gestellt werden. Weitere Fragen, die zur Schaffung geeigneter Strukturen und Kommunikationsabläufe innerhalb einer Unterkunft oder Initiative führen können sind zum Beispiel:

– Wieviel Freiheit haben die Teilnehmer/Zielgruppe?

– Welche Rolle spielen Herkunft und Religion bei den geplanten Aktivitäten?

– Wer hat leicht Zugang zu Räumen in denen Aktivitäten geplant und durchgeführt werden?

Aus der Erfahrung der Ehrenamtskoordinator*innen Berliner Unterkünfte für geflüchtete Menschen: Hürden für eine erfolgreichere Partizipation:


Die Organisation Minor Kontor unterscheidet drei Formen der Einbindung von Menschen:

– Begleitete Einbindung:

Prozesse mit viel Engagement durch die im Projekt aktiven: Einzelgespräche,
Erhebung von Interessen und Bedarfen, Prozessbegleitung…)

– Selbstorganisierte Einbindung:

Setzt auf das Interesse der Geflüchteten durch Werbung, Informationsmaterial,
Kontakte, Geflüchtete such sich eigenen Engagementbereich und -aufgaben

– Vermittelte Einbindung:

Nutzung von Datenbanken, sozialen Medien für die Vernetzung und Kommunikation

BERATUNGSFORUM ENGAGEMENT FÜR GEFLÜCHTETE
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